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Götterwelt: Mercurius

Zuständigkeiten und Bezeichnungen:

Mercurius auf einem Wandgemälde in Pompeji

Mercurius auf einem Wandgemälde in Pompeji

Eingedeutschter Name: Merkur. Sein Name stammt vermutlich vom lateinischen Wort „merx“ für „Ware“ ab. Er gilt als Götterbote, Glücksgott, Gott der Händler und der Diebe. Er spielte im Römischen Kult eine bedeutende Rolle, da er als Gott der Händler auch der Beschützer für den (lebenswichtigen) Getreidehandel war.

Mercurius gilt außerdem als Führer der Seelen in die Unterwelt. Er führt auch die Träume von Morpheus in die Träume der schlafenden Menschen.

Daneben gehörte zu seinen Zuständigkeiten die Redegewandheit (ein Muß für einen guten Händler) und daraus folgend die Poesie. Er war zuständig für Gewinn und finanziellen Wohlstand, das Übermitteln von Nachrichten und Kommunikation, was sogar für die Wahrsagekunst (Divination) galt. Er ist ein Beschützer der Reisenden und wird als solcher für sichere Reisen angerufen. Ebenso ist er zuständig für Glück, aber auch für Trickbetrügereien.

Besondere Verehrung (weitaus mehr als in Rom) fand Mercurius in den nördlichen Provinzen in Gallien, Germanien und Britannien unter der einheimischen römischen wie gallischen und germanischen Bevölkerung.

In Gallien wurde er unter anderem mit der höchsten gallischen Gottheit, Teutates, gleichgesetzt, was zu einem rasanten Anstieg seiner Verehrung und Beliebtheit unter den romanisierten Galliern führte. Daneben wurde er mit weiteren keltischen Gottheiten gleichgesetzt, wie Lugus, sowie mit Cissonius und Visucius, so daß er besonders in Nordostgallien (Raum Koblenz, Trier, Hunsrück) im römischen Cultus gemeinsam mit seiner keltischen Gefährtin Rosmerta verehrt wurde.

Auch in Germanien wurden mehrere Weihesteine gefunden, die ihm von Gläubigen gestiftet wurden (sowohl von Einzelpersonen als von Stämmen) und die auf eindeutig germanische Herkunft hindeuten, auch wenn sie auf Latein beschriftet waren. Laut Tacitus wurde Mercurius dort von den Germanen mit einem ihrer wichtigsten Götter gleichgesetzt und damit zum „Hauptgott“ der germanischen Stämme. Unter den gallischen Kelten galt er zudem als Fruchtbarkeitsgott und Glücksbringer. In den nördlichen Provinzen galt er zudem als der „Erfinder aller Künste“.

Seine Herkunft liegt möglicherweise im etruskischen Gott Trums, dem die gleichen Attribute und Zuständigkeiten zugesprochen wurden, sowie im griechischen Gott Hermes. Im Unterschied zu diesem hat Mercurius jedoch auch eine kriegerisch-militärische Komponente.

In der Mythologie gilt er als der Vater der Laren, der sich in die Nymphe Larunda verliebte, als er sie eigentlich in die Unterwelt geleiten sollte. Sie bekam zwei Kinder von ihm: die Laren (Quelle: Ovid).

Mercurius ist einer der Dei Consentes.

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Mercurius-Gebrinius ist ausschließlich aus Bonn bekannt (Rheinisches Landesmuseum Bonn, 2. Jhd)

Er ist unter zahlreichen Bezeichnungen bekannt, die oft Bezug auf seine keltischen Entsprechungen nehmen. So wurde er im Bereich des heutigen Belgien und Frankreich als Mercurius Artaios verehrt (Artaios war ein keltischer Gott der Bären und der Jagd). Im Rheinland verehrte man ihn als Mercurius Avernus, nach dem Gott Avernus des keltischen Stammes der Averner. Im Bereich zwischen Köln und Frankreich kannte man ihn auch als Mercurius Cissonius nach dem gallischen Gott Cissonius, der ein Beschützer der Reisenden und Gott der Händler war. Von einem Altar aus Bonn kennt man ihn als Mercurius Gebrinius, einer lokalen Mercurius-Variante des dort ansässigen Stammes der Ubier, sowie unter zahllosen weiteren regionalen Namen.

Sphäre:

Himmlisch, irdisch und der Unterwelt zugehörig.

Attribute und Darstellungen:

Typische Darstellungen zeigen Mercurius als schlanken jungen, bartlosen Mann mit geflügelten Schuhen und geflügeltem Helm (oder Flügeln, die direkt aus seinem Kopf wachsen). Oft hält er den Caduceus in seiner linken Hand (einen Botenstab, der von zwei Schlangen umschlungen wird und ihm einst von Apollo geschenkt wurde. Dieser Stab kann Menschen einschläfern, aufwecken und ihnen durch Träume Botschaften übermitteln).

Oft wird er zusammen mit Tieren dargestellt, wie dem Hahn (der als der Bote des neuen Tages gilt), einem Bock, Widder oder einer Ziege (Symbole der Fruchtbarkeit), oder einer Schildkröte (dies nimmt Bezug auf die Legende, daß er einst eine Lyra aus einem Schildkrötenpanzer baute).

Eine ebenfalls sehr verbreitete Darstellung zeigt ihn mit einem Geldsäckchen (Masurpium) in der Hand. Mercurius ist meistens nackt oder nur mit einem über den Arm gelegten Mantel bekleidet.

Opfergaben: 

Räucherwerk, Wein (außer bei Mercurius Sobrinus, der Milch statt Wein erhält), Bohnen und Grünzeug, Zypresse, Krokus, Einjähriges Bingelkraut (englisch: herb mercury)

Kulttiere: 

Ziege, Hahn, Widder, Bock

Feiertage:

Verschiedene Mercurius-Darstellungen (Römisch-Germanisches Museum Köln, 2013)

Verschiedene Mercurius-Darstellungen (Römisch-Germanisches Museum Köln, 2013)

Sein wichtigstes Fest sind die Mercuralia an den Iden des Mai (15. Mai). Im Gegensatz zu anderen Göttern, gab es für ihn keine speziellen Priester, die für seinen Kult zuständig waren.

Die Mercuralia galten als Fest des Handels. Händler besprenkelten an diesem Tag ihre Köpfe, ihre Geschäfte und ihre Schiffe mit heiligem Wasser, das von einer Quelle an der Porta Capena in Rom genommen wurde, einem der wichtigsten Stadttore Roms („Aqua mercurii“).

Die Iden des Mai galten als der Geburtstag des Gottes und an diesem Tag erbat man sich Glück, guten Profit und bat um Vergebung für vergangene und zukünftige Vergehen (wie das Über-den-Tisch-Ziehen eines Kunden!).

Sonstiges:

Mercurius gehörte zu den beliebtesten der römischen Götter (wie Funde aus Pompeji zeigen). Sein Tempel stand in Rom in der Nähe des Circus Maximus zwischen den Hügeln des Palatin und des Aventin, wo reger Handelsverkehr herrschte und gleichzeitig seine Funktion als „Vermittler“ betont wurde, denn auf dem Palatin lebten die wohlhabenden Bürger, während der Aventin Hochburg der einfachen Leute war.

Rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue im Tempelkomplex Tawern

Rekonstruierte, 2,08 Meter große Merkurstatue im Tempelkomplex Tawern

Mercurius-Altäre sind in der Regel Rundaltäre.

Nach Mercurius wurde der dritte Wochentag (Mercurii dies) benannt, was sich noch heute in Ländern mit romanischen Sprachen wiederfindet (Französisch: mercredi, Spanisch: miércoles, Italienisch: mercoledi).

In Deutschland und Luxemburg sind zahlreiche Mercurius-Tempel zu finden, so der Merkur-Rosmerta-Tempel bei Koblenz oder der rekonstruierte Merkur-Tempel in Tawern an der Mosel mit einem originalgetreuen, überlebensgroßen Merkur-Kultbild, das nach römischer Tradition sogar farbig bemalt wurde.

Antike Quellen mit Gebeten an Mercurius:

  • Horaz: Satires 2.6.14; Sermones II 6,4;
  • Manilus: Astromica 1.30ff;
  • Martial: Epigramme 7.74;
  • Ovid: Fasti 5.477; 5.663; 5.681;
  • Persius: Satires II 45;
  • Plautus: Bacchides 892;
  • Anthologia Latina II 1528

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